Suicide in Nazi Germany.

29.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

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Christian Goeschel hat den dramatischen Anstieg von Selbstmorden in der Zeit zwischen 1918-1945 systematisch erforscht und dabei ein paar bemerkenswerte Fakten herausgearbeitet. Auf der Grundlage unterschiedlicher Quellen wie Abschiedsbriefe, Polizei-Berichte und zeitgenössische Presseartikel wird dabei untersucht, welchen Anteil Nazi-Ideologie und soziale Verwerfungen an der zeitweilig geradezu explodierenden Freitod-Rate wirklich hatten.   

Von der Oxford-University-Press- Website

 The Third Reich met its end in the spring of 1945 in an unparalleled wave of suicides. Hitler, Goebbels, Bormann, Himmler and later Goering all killed themselves. These deaths represent only the tip of an iceberg of a massive wave of suicides that also touched upon ordinary lives. […]  Christian Goeschel looks at the suicides of both Nazis and ordinary people in Germany between 1918 and 1945, from the end of World War I until the end of World War II, including the mass suicides of German Jews during the Holocaust. He shows how suicides among different population groups, including supporters, opponents, and victims of the regime, responded to the social, cultural, economic and, political context of the time. 

Einen interessanten Auszug aus diesem Buch, das Kapitel über die Weimarer Republik, kann man sich hier als PDF herunterladen.


Every Picture Tells a Story #4

29.03.09 | Allgemein | 1 Kommentar »

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and:


Animismus unloaded.

27.03.09 | Allgemein | 1 Kommentar »

Sehr gut und von großem Nutzen für uns alle.


Bitte nicht stören: Bunte Schuhkartons gegen Kinderarmut.

26.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

shoeboxliving

 

Eine Kooperation der Bryan Adams Foundation und Kids Company:

Die Design-Agentur Chewing The Sun, die die Website gestaltet und programmiert hat, beschreibt das Projekt so:

School children in Peckham, a deprived borough of London, have rebuilt their nurseries in shoe boxes and have written short pieces about them. These are impressive insights in the world of these children that clearly convey the urgency of help and encouragement needed. A second step will see more than a hundred artists engaging themselves and designing their own shoe boxes. A show at a notable London gallery will juxtapose the results of both groups.

Geht es nur mir so oder fühlt es sich auch für andere irgendwie seltsam an, dass man absolut nichts über die Kinder erfährt, die diese Schachteln zusammengebaut haben? Was soll das? Ich habe bei solchen, auch für zarte Gemüter leicht goutierbaren, Gutmenschen-Aktionen stets den leisen Verdacht, dass das alles nur dem individuellen Wohlgefühl der Initiatoren dient. Kids Company nehme ich hier ausdrücklich davon aus, denn ihr Ansatz scheint wirklich praktischer Natur zu sein: Rausgehen und aktiv helfen. In Schulen, in der Nachbarschaft, auf dem Straßenstrich.

Die anderen können so wenigstens in Ruhe ihren Vernissage-Prosecco und den sanften Grusel der Unterschicht genießen.


Wo die wilden Kerle wohnen.

26.03.09 | Allgemein | 3 Kommentare »

Eines der für mich schönsten Kinderbücher wird nun von Spike Jonze verfilmt: Maurice Sendaks “Wo die wilden Kerle wohnen”, im Original “Where the wild things are” von 1963. Wer das Buch liebt, sollte sich den Film wohl besser verkneifen. Aber, hey, wer bin ich, Dir zu sagen, was Du zu tun hast.


Uncute the world: Cat Shit One.

26.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

Unser Verhältnis zu nichtmenschlichen Tieren ist zumindest von zwei grundsätzlichen Prämissen bestimmt: 1. Tiere sind Menschen untergeordnet. 2. Tiere werden von Menschen nach ihrem Nutzwert bewertet. Eine Spinne ist weniger wert als ein Schwein, was, zumindest in unseren Breiten, wiederum weniger wert ist, als zum Beispiel ein Hund. Diese prinzipielle Kategorisierung von nichtmenschlichen Tieren ist Teil eines anthropozentrischen Weltbildes dessen Implikationen hochkomplex und für das menschliche Selbstverständnis von zentraler Bedeutung sind.

Denn es ist nicht zuletzt dieser Anthropozentrismus, der es uns ermöglicht, trotz unseres Verstandes, und trotz unserer vorhandenen Empathie für Schmerz und Angst, lecker Leberwurst zu essen und in Tierhäuten durch die Gegend zu spazieren. Eine Folge dieses Weltbildes ist die kulturelle Verwertung von Tieren. Zum Beispiel in Geschichten (Fabeln, Märchen, Fantasy), im Zirkus, aber auch in Film und Fernsehen. Vor allem in den (über-)entwickelten, westlichen Industrienationen hat unsere Entfremdung gegenüber der ursprünglich gewachsenen Natur solche Ausmaße angenommen, dass wir uns nur noch mit Natur-Surrogaten wie Parks, Zimmerpflanzen, Furnier-Möbeln und Haustieren umgeben. Und auch hier wird es unangenehm.

Denn gerade unser Umgang mit Haustieren ist vom Hang zur Verniedlichung der sich selbst entfremdeten, domestizierten Kreatur bestimmt. Das niedliche Kätzchen, das knuddelige Kaninchen oder das “exotische” Reptil dient nicht selten als Projektionsfläche für unerfüllte Kinderwünsche, als Ersatz für ausbleibende Zärtlichkeiten oder als wuselnder Witz auf vier Beinen, dem man gerne bei seinen Späßchen zuschaut. Umso verstörender wirken da Tierdarstellungen, die erstens antropomorph wirken und sich zweitens dem Zwang zur leicht verdaulichen Cuteness verweigern. 

Was im Falle des prinzipiell gutgemeinten  Watership Down (Buch, Film, Serie) nur teilweise gelang, funktioniert bei Cat Shit One, einer neuen Animations-Serie (produziert von Studio Anima), die in ihren Grundzügen auf die Manga-Serie Apocalypse Meow von Motofumi Kobayashi basiert, trotz der geringen technischen Qualität, deutlich besser. 

Bota, Perky and Rats, allesamt Hasen, die in der Original-Manga-Serie Teil einer Aufklärungs-Einheit im Vietnam-Krieg sind, werden in der sehr freien Serien-Adaption von Regisseur Kazuya Sasahara kurzerhand in den Nahen Osten versetzt und sollen dort amerikanische Gefangene befreien. Dies geschieht nicht ohne Gemetzel und mit allerhand politischer Uncorrectness: So sind die Taliban Turban tragende Kamele …

Was folgt, kann bislang nur erahnt werden, da sich die Serie noch im Produktionsstadium befindet. Und auch die Finanzierung steht noch nicht vollständig. Aber der Trailer macht schon eindeutig klar, dass leidenschaftliche Zuseher von Tier.TV (“Notfell der Woche”) ihre helle Freude an dieser Serie haben werden.

(Übrigens: Hier kann man einen Blick auf Original-Mangas von Motofumi Kobayashi werfen. In diesem Zusammenhang erwähnenswert: Seine offensichtliche Leidenschaft für die heroische Darstellung von Super-Nazis.)


Anwerben: JetBlue, Welcome Bigwigs.

18.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

jetblue

“That’s the way that it goes, when you’re down here with the rest of us”

Ausgerechnet von JWT New York, einer Netzwerk-Agentur, der man hierzulande nun nicht gerade überbordende Kreativität unterstellen würde, kommt eine sehr schöne Kampagne für JetBlue, einem Billigflieger in den USA. Die Kampagne ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert: 

1. JetBlue macht sich über eine bestimmte Personengruppe explizit lustig, nämlich Vorstände und Geschäftsführer großer Unternehmen. Dabei scheut sich das Unternehmen nicht, eben jene als debile Trottel darzustellen, die alles von ihrem “Assistant’s Assistant” erledigen lassen. Undenkbar in Deutschland, wo die Angst in den Werbeagenturen umgeht, dass eben jene debilen Trottel den Etat-Hahn zudrehen könnten und behaviorale Kritik garantiert nicht ins Werbefernsehen kommt. Solch einen sarkastischen Grundton kenne ich bislang eher aus Großbritannien. Erfrischend.

2. In den Spots sind eine Reihe urbaner Mythen und Netzverweise eingebaut: Von den geheimen Illuminaten bis hin zu Craigslist. Dinge, die ebenfalls hierzulande durchfallen würden, weil der Großteil der Werbetreibenden Angst hätte, ein Teil des Zielpublikums würde solche Anspielungen nicht verstehen können.

3. Die Agentur macht nicht den Fehler, klassische Werbung als etwas anderes zu tarnen. Sie nutzt das Web einfach als kostenlose Sendestation und bietet lediglich Verlinkungen mit den üblichen Services wie Twitter, Facebook, Delicious und Co. an. Kurz: Hier behauptet keiner, das es sich um etwas anderes als um Werbung handeln würde. Das tut der Story eher gut.

Und vor allem: Die Filme sind wirklich sehr amüsant und sehr wahr. Wer regelmäßig zu den üblichen Geschäftsreisendenzeiten nach Frankfurt oder nach München fliegen muss, wird das sicher bestätigen können. Gute, klassische Werbung, der man ansieht, dass sich da jemand Mühe gemacht hat.

(Auf einer Meta-Ebene ist diese Kampagne selbstverständlich nicht minder interessant. Bourdieu, ick hör dir trapsen. Aber das ist eine andere Geschichte.)


Fail.

18.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »


Joseph Canzani

17.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

canzani


They just don’t make guys like Joseph Canzani (1915–2008) anymore: Artist, educator and President of the Columbus College of Art & Design, 1949–1995. Beautiful hommage to a quite inspiring mind. And what’s best: most of the stuff he says is still so true.


Tim und die anderen: Nine Daughters And A Stereo.

13.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

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Fotografen- und Casting-Studio-Portfolios sind eigentlich nie interessant. Die dekontextualisierten Werbe-Abbildungen funktionieren nur als rascher Abgleich zwischen dem gewünschten Ergebnis und dem Angebot des Dienstleisters. Und nicht selten funktioniert Art Buying (das ist die Agentur-Bezeichnung für den Einkauf von Kreativ-Dienstleistungen) noch immer über GoSees, klassische Mappen-Schlachten und Showreel-Präsentationen. Was bei bei mir automatisch zu großer Langeweile und Desinteresse führt. 

Anders hingegegen die schon seit einigen Jahren bestehende und nun wieder überarbeitete Portfolio-Page der Kölner Casting-Agentur Nine Daughters And A Stereo, gegründet von der Fotografin Kira Bunse und der Art Direktorin Eva Gödel. Die finde ich ganz und gar nicht langweilig, sondern erfreulich irritierend. Irritierend deswegen, weil insbesondere die Jungs-Videos bei so manchen Betrachtern so manche Gender-Frage aufkommen lassen werden – ohne sie zu beantworten. Das ist sicherlich nicht das primäre Ziel eines Casting-Portfolios, aber ein ausgesprochen interessanter Nebeneffekt, der zumindest bei mir dazu führt, die Models etwas genauer zu betrachten.

Vergessen wir nicht: Es geht um Mode. Und also auch um das Spiel mit Geschlechterrollen.

Hier verweigern sich die virtuellen SED-Cards einer Eindeutigkeit und fokussieren stattdessen die Funktionsweise von Projektionsflächen, es geht also um den Kern von Mode und der Rolle von Models an sich. Wenn man sich dies bewusst macht, ist alles klar. Wenn man sich dessen hingegen nicht bewusst ist, und das betrifft einen Großteil der Menschen, die nicht beruflich mit Kommunikation oder Mode (im weitesten Sinne) zu tun haben, wird es interessant. Denn dann kann der Betrachtungswinkel kippen und die Wahrnehmung verwirren.

Halbnackte Körper junger Frauen würden sicherlich kaum noch verstörte Reaktionen auslösen, sondern sofort in Look-bezogene Detaildiskussionen münden. Der Twist entsteht hier also durch die Entblößung der Jungs (und der Verhüllung der Mädels) und der damit entstehenden impliziten Kontextualisierung mit klischeehaften Vorstellungen heterosexueller Normierungen. Denn machen wir uns nichts vor: Einige der Jungs-Videos sind wirklich klasse. Und die Jungs natürlich auch.

Das mag durchaus verwirren, auch wenn absolut nichts Spektakuläres zu sehen ist. Großartig.

Eine schöne, sehr einfache Arbeit des Wuppertaler Design-Studios Chewingthesun (übrigens mitgegründet von Eva Gödel), das vergleichsweise lange am Markt ist und mir vor allem durch Arbeiten für Mode-Labels und Fotografen bekannt ist.


Untergehen. Forever’s Not So Long.

12.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

Kurzfilm von Shawn Morrison und Garrett Murray. Forever’s not so long.


Every LP Cover tells a story. Or many.

12.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

Neger vor Hütte (*): 

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Auch sehr schön. Menschen auf Schallplattenhüllen, die ihre eigene Schallplattenhülle, die ja eigentlich noch nicht veröffentlicht ist und auf der sie trotzdem drauf sind, in der Hand halten:

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Ein bunter Reigen Scheußlichkeit bei LP Cover Lover.


Weglesen: Online-Werbung vertreibt Leser.

11.03.09 | Allgemein | 1 Kommentar »

Through this premise we find ourselves in a familiar conundrum: it is the reading experience that brings people to the web, thereby making them available to the siren song of the advertisers; but it is the advertisers, who, in their effort to gain purchase over ever more significant corners of our brains, must distract and diminish the reading experience lest they be ignored.

a working library über den Einfluss von Online-Werbung auf die Lesbarkeit von Webseiten.

Durchaus lesenswert. Und: Ich werde darauf zurückkommen. Der nächste Rundumschlag ist bereits in Arbeit.


Exploit this man.

11.03.09 | Allgemein | 1 Kommentar »

 

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Wenn sich eine Firma für “TACTICAL ONLINE MARKETING” dazu entschließt zur Eigenwerbung einen Obdachlosen zu einem Micro-Celeb aufzubauen und das ganze  mit “Pimpthisbum” zu labeln (was in etwa mit mit “Motz meinen Penner auf” übersetzt werden kann), und das wiederum dazu führt, dass eben jener “Bum” (Tim heißt der übrigens) plötzlich Aufmerksamkeit und finanzielle und medizinische Hilfe bekommt, handelt diese Firma dann zynisch?  

Ja, auch wenn es vielleicht nicht so gemeint ist. 

Warum? Sicherlich ist es für Tim eine signifikante Verbesserung seiner Lebensumstände, wenn er aufgrund der medialen Aufmerksamkeit (die tatsächlich nichts anderes als Ausbeutung ist) einen besseren Zugang zu den grundlegenden Dingen eines halbwegs menschenwürdigen Lebens hat. Daran gibt es wenig zu rütteln, es sei denn, Tim selbst würde dies tun. Und hier wird es haarig: Der Auslöser (lass uns unsere Online-Firma bekannt machen) ist eindeutig falsch, die Umsetzung ist im Rahmen des zu Erwartenden weniger abgefuckt als es klassische Sozial-Exploitation-Formate gemeinhin sind, doch es bleibt dabei: das Konzept an sich zynischer Dreck.

Aber was wäre die Alternative?

Vielleicht direkt zu helfen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Oder eine Website aufzusetzen, die sehr genau hinterfragt, warum Menschen auf der Straße leben müssen. Oder wollen. Oder beides. So einfach. Aber damit wird man nicht schnell genug bekannt. Und Viral-Marketing-Kunden gewinnt man damit auch nicht.


I come from Alabama.

11.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

Nachtrag:

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Relikte.

07.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

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Relics, by Glue Society


Every Picture Tells a Story #3

06.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

obama

Source: Bad Paintings Of Barack Obama 

(Server ist zeitweilig down)


Auftragen, abkratzen. Nachdenken über Make-Up.

06.03.09 | Allgemein | 1 Kommentar »

Isaiah Owens’ Funeral Home, Harlem, New York

schminken

Froilan Orozco, Embalmer, Bogota, Columbia

Boris Entrup, München,  für Maybelline Jade

borisentrup

Das Interessante am nicht-archaischen Schminken ist der noch immer vorhandene Glaube an die psycho-soziale Wirkmächtigkeit applizierter Texturen. Der unbedingte Wille zur sichtbaren Entsprechung eines sozial konstruierten Idealbildes, dessen Parameter nur mit Hilfe einer Kunstsprache (“Look”, “Smokey Eye Effect”, “Volume & Define Formula”) ungefähr benannt werden kann, erzeugt ein parallel zur Alltagsrealität gebrauchtes Zeichensystem, dessen (ebenfalls nur vermutete) Deutung direkte Auswirkungen auf den Träger und den Betrachter hat. Durch das gezielte Auftragen von Farbe wird eine Maske geschaffen, die jedoch, anders als eine echte Maske, nur dann wirklich maskiert, wenn der Träger derselben, imstande ist, sie auch zu beleben. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen einer blickdichten und einer transparenten Strumpfhose. Und hier liegt auch der fundamentale Unterschied zwischen Germany’s Next Top Models und echten Top Models. Wo echte Top Models nicht nur Texturen aufgetragen bekommen, sondern selbst zur Textur werden, erzeugen sie eine Unsichtbarkeit der Persönlichkeit. Mimik, Gestik und Bewegung folgen einem Muster, das vollständig abgekoppelt werden kann von der Privatpersönlichkeit des Darstellers.

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Somit sind perfekte Top Models eigentlich perfekte Zombies. Zu glauben, dass eine offensiv gelebte Individualität irgendeinen eigenständigen Wert darstellen würde, ist in diesem System ein lächerlicher Selbstbetrug. Wobei der Individualitätsbegriff an sich eine Farce ist, wenn es darum geht, seinen Körper zu einer Reklametafel zu machen. Deswegen lache ich auch so gerne, wenn ich Gina-Lisa Lohfink, Sarah Knappik, oder heuer Tessa Bergmeier und Dana Franke bei ihrer öffentlichen Selbstdemontage beobachte. Schön scheitern und sich dabei einreden, dass das alles ja doch irgendwie total wichtig war.

Dabei ist es eigentlich sehr einfach: Der Schminkende ist dem Geschminkten stets überlegen. Er kreiert am Fließband bewegte Bilder für Fließband-Trends. Der Mensch dahinter (oder darunter) wird zum fremdbestimmten Träger eines vermuteten Idealbildes. Wenn dies dann noch mit der systemimmanent bedingten Koppelung an Dimensionen wie “Persönlichkeit” einhergeht, entsteht eine bizarre Vermischung von applizierten Oberflächen mit oberflächlichen Seinskonzepten, die ihrerseits oberflächliche Bedeutungsmuster erschafft. 

Wenn dann noch 16-Jährige mit Lip Gloss mehr oder weniger bewusst dem Cliché des Porn-Chic huldigen und damit auch, mehr oder weniger bewusst, ihrer eigenen Warenhaftigkeit, wird es vollends bizarr.

In einem massenmedial inszenierten Ränkespiel eine bedeutende Rolle spielen zu wollen, ohne zu wissen, dass es erstens eine Rolle ist und zweitens sehr unbedeutend, muss Quell großer Zufriedenheit sein. Sonst würden nicht so viele mitmachen wollen. Nicht denken, einfach machen und dabei alles geben. Was und wofür auch immer.

File under: #Colours, #Bukkake, #White Trash.


DAVE: Der Anfang vom Ende.

02.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

“Well you don’t know me, but I know you.”


O – Superman

Videos in Weblogs sind der Anfang vom Ende. Sie sind das erste Symptom, das auf ein allmähliches Sterben der Worte hindeutet. Zum einen Supplement, das über die eingetretene Sprachlosigkeit hinwegtäuschen soll, zum anderen genau darin Ausdruck dessen, dass es nichts mehr zu sagen gibt, sich höchstens noch auf andere Sprecher verweisen lässt. Sie sind Platzhalter und markieren die Leerstelle ausgelassener Worte, bestenfalls als Soundtrack zum Schweigen. (DAVE, “About”)

Über Musikvideos muss man auch anders schreiben können, als im festgefügten Rahmen befindlichkeitsschwangerer Pop-Rezension. Dass das auch hervorragend funktioniert, und sogar ohne Brille und SPEX-Abo, beweist DAVE, gleich nebenan. Nicht nur wegen solcher Eingaben kann ich DAVE.thiswasteland.org uneingeschränkt  empfehlen.

Und, nein, ich bin es nicht, der dort schreibt. An mich gerichtete Nachfragen bleiben vorerst unbeantwortet.


Every Picture Tells a Story #2

02.03.09 | Allgemein | Keine Kommentare »

Gefunden auf Urbaner Anti-Eskapismus!.


blogoscoop